Die Wartezeit in der Rechtsschutzversicherung

Rechtsschutzversicherung Wartezeit

Bei manchen Versicherungsverträgen kann der Versicherungsnehmer direkt ab dem Tag der Vertragsunterzeichnung mit Leistungen seines Versicherers rechnen, bei anderen Verträge tritt der umfassende Versicherungsschutz erst später ein. Die Rechtsschutzversicherung gehört zu den letzten Fällen und macht es somit nötig, erst eine vertraglich festgelegte Frist abzuwarten, um hiernach die Kostenübernahme bei Gerichtsprozessen erwarten zu können. Die Wartezeit ergibt gerade bei Gerichtsprozessen und der Übernahme ihrer Kosten einen Sinn, folgende Fragen rund um das Thema Wartezeit sollen im Folgenden näher betrachtet werden:

  • Wozu existiert eine Wartezeit in der Rechtsschutzversicherung?
  • Wie lange ist die Wartezeit für gewöhnlich?
  • Gibt es eine Möglichkeit, eine drohende Wartezeit zu umgehen?

 

Sinn und Zweck einer Wartezeit bei Rechtsschutzverträgen


Unter der Annahme, im Bereich Rechtsschutz würde keinerlei Wartezeit durch die Versicherungen verlangt werden, würde es sich um eine sehr unlukrative Versicherungssparte für die Versicherer handelt, die so kaum mehr Leistungen anbieten würde. In diesem Fall würden Versicherungsnehmer stets direkt vor einem Rechtsstreit einen Vertrag abschließen, um so ihre Zeit bei der Versicherung direkt mit dem Erhalt finanzieller Leistungen beginnen zu können. Dieses Geschäftsmodell erweist sich für jede Versicherung als unvorteilhaft, aus diesem Grund soll der Versicherungsnehmer erst einmal durch seine Beitragszahlungen einen kleinen Teil für den Versicherungsschutz leisten, bevor Leistungen vom Versicherer verlangt werden können. Die Wartezeit stellt genau dies sicher.

Mit welcher Zeitspanne als Wartezeit bei deutschen Versicherern zu rechnen ist


Die Wartezeit selbst stellt keine gesetzliche Vorschrift in der Rechtsschutzversicherung dar, theoretisch könnte ein Versicherer auch ganz auf diese Regelung verzichten. Durch die fehlenden, gesetzlichen Vorlagen bleibt die Festlegung der Wartezeit somit stets den einzelnen Versicherungen überlassen. Marktüblich ist eine Wartezeit zwischen drei und sechs Monaten, in seltenen Fällen verlangt der Versicherer das Verstreichen eines gesamten Versicherungsjahres, bis zum ersten Mal Leistungen aus dem Vertrag verlangt werden können. Unabhängig von der Frage, ob für den Versicherungsnehmer bereits eine Rechtsstreitigkeit in Aussicht ist, sollte die Länge der Wartezeit beim Vergleich verschiedener Tarife in jedem Fall beachtet werden - im Ernstfall kann sich ein minimal preiswerterer Beitrag nicht rechnen, wenn für dieses erst einmal viele Monate länger auf Versicherungsleistungen verzichtet werden muss.

Die Wartezeit in der Rechtsschutzversicherung umgehen


Vor allem Direktversicherer bzw. Versicherungsanbieter im Internet haben sich in den letzten Jahren mit Tarifmodellen auf den Markt gedrängt, die eine Kürzung der Wartezeit bzw. einen Verzicht auf diese in Aussicht stellen. In den meisten Modellen wird dabei die Standardleistung der klassischen Rechtsschutzverträge geboten, allerdings verlangt die Versicherung dauerhaft auf den Jahresbeitrag einen Aufschlag. Diesen zu zahlen, sollte demnach nur in Ausnahmefällen erfolgen, wenn akut eine Kostenübernahme durch die Rechtsschutzversicherung gewünscht ist.

Eine weitere Alternative, mit der ebenfalls direkt von Leistungen profitiert werden kann, ist die Datierung des neuen Versicherungsvertrags auf einen Zeitpunkt in der Vergangenheit, so dass zum aktuellen Zeitpunkt die reguläre Wartezeit erfüllt wäre. Wenn sich ein Versicherungsnehmer für diese Variante entscheiden möchte, ist statt des Erstbeitrags eine Vielzahl von Beiträgen zu zahlen, die für die zurückgelegten und vergangenen Monaten anfallen. Welche Versicherung welche der genannten Varianten anbietet, ist bei einer individuellen Analyse zu prüfen und mit eigenen Vorlieben abzugleichen.